Radtour durchs Alte Land: Auf zwei Rädern zwischen den Obstbäumen

Vom Lühe-Anleger aus durch das Alte Land: Die Streckenabschnitte durch die Stadt sind wegen des Verkehrs zwar weniger idyllisch, bieten aber etwas Abwechslung und gute Möglichkeiten zur Rast. 41 Kilometer sind eine ganz schön lange Strecke, aber die Tour lohnt sich.

10 Uhr, Start am Lühe-Anleger: Das Wetter ist gut, und die Motivation ist auch da. Besser so, schließlich heißt es gleich, 41 Kilometer weit in die Pedale zu treten. Wer mag, kann sich vorher mit einer Wurst oder einem Fischbrötchen an einer der Buden am Lühe-Anleger stärken. Bevor es losgeht, wird mit dem Handy noch schnell die Karte aufgerufen, die App „Altes Land am Elbstrom“ zeigt einem nicht nur die Route an, sondern auch per GPS den eigenen Standort. Mit dem kleinen blauen Punkt ist der eigene Streckenfortschritt genau zu verfolgen. Also aufs Rad und los.

Denkste. Nach den ersten paar Metern ergibt sich das erste kleine Problem: Die App will den Radfahrer auf den Deich schicken. Eigentlich keine schlechte Idee, schließlich bietet sich so ein schöner Blick über die Elbe. Doof nur, dass die Schafe auf dem Elbdeich grasen. Also umdrehen und wieder runter vom Deich und daneben weiterfahren.

Vorbei am Fährhaus Kirschenland und an der Windmühle Aurora geht es weiter Richtung Cranz. Wohnhäuser auf der einen Seite, Straßenverkehr auf der anderen – die ersten zwölf Kilometer der Tour ziehen sich ein wenig wie Kaugummi in die Länge. Die Abbiegung nach rechts ist nicht ausgeschildert, wer die Strecke nicht mit dem Handy verfolgt, könnte die Abbiegung leicht verpassen 

Der nächste Streckenabschnitt bis Buxtehude ist zwar genauso lang, allerdings idyllischer und einfach ruhiger, weil dort kaum Autos fahren. So geht es zwischen Deich und Obstbäumen über Königreich und Estebrügge nach Buxtehude. Vereinzelt laden Obsthöfe zu einem Stopp ein.

In Estebrügge angekommen können Interessierte sonntags das Museum Estebrügge besuchen. Das Museum hat sonntags jeweils von 14 Uhr bis 17 Uhr geöffnet und liegt direkt an der Strecke. Ein Blick auf die Karte verrät, es ist das erste von drei Museen auf der südöstlichen Obstroute. Theoretisch, denn das Museum für Regionalgeschichte und Kunst in Buxtehude ein paar Kilometer weiter ist wegen Sanierung vorerst noch geschlossen. Es liegt ebenfalls an der Obstroute und ist nach der Wiedereröffnung einen Besuch wert.

12 Uhr, Ankunft in Buxtehude: Vom Buxtehuder Hafen aus ist es zur Altstadt nicht mehr weit. Nach zwei Stunden und knapp der Hälfte der Strecke bietet sich ein Café oder Restaurant für eine Pause an. Wer mag kann auch in der Buxtehuder Altstadt schlendern. Die Hansestadt ist eine nette Abwechslung von der entspannenden Natur, die bisher die Radtour dominiert hat.

Weiter geht es in Richtung Dammhausen. Entlang der vielbefahrenen Straße lässt es sich bei weitem nicht so entspannt radeln wie bisher. Gut, dass es nur zwei Kilometer so geht. In Dammhausen ist die Abfahrt in den Vogelsanger Weg leicht zu verpassen, denn sie ist – mal wieder – nicht ausgeschildert. Wer sich die Route gut gemerkt hat, weiß noch, dass es in Dammhausen bei der zweiten Gelegenheit nach rechts geht. Wer sich das nicht gemerkt hat, muss entweder mit Handy in der Hand fahren oder anhalten und nachschauen. Ein kleiner Tipp: Wer sich ein paar Hundert Meter entlang der Straße sparen möchte, kann etwas früher gegenüber dem Neubaugebiet in die Straße Westmoor abbiegen und kommt so schneller aus dem Straßenlärm in die Ruhe des Waldes. Die Vögel zwitschern, und auf einer großen Wiese grasen Kühe.

Ein paar Meter weiter führt eine Brücke über die Anschlussstelle der A 26 bei Jork. In acht Metern Höhe bietet die Brücke einen großartigen Blick über die Baustelle – mehrere Kilometer Sand, die den Boden auf das Gewicht der Autobahn in Richtung Hamburg vorbereiten. Hier lohnt es sich, kurz vom Rad abzusteigen und in ungewohnter Höhe über die Landschaft zu schauen.

Flankiert von Obstbäumen geht es zwei Kilometer weiter in Richtung Ladekop. Kleiner Tipp: Die App schickt die Radfahrer mitten durch das Wohngebiet Osterladekop. Wer allerdings früher, kurz vor den Osterladekoper Wettern, dem Weg nach links folgt, fährt noch ein paar Hundert Meter weiter an Obstbäumen anstatt an der Straße entlang. Der Weg ist zwar aus Schotter, aber in der Landschaft ist es um einiges schöner, zu fahren als durch das neue Wohngebiet. Vor allem, weil die Strecke dann weiter bis Jork komplett an der Straße entlangführt.

Unterwegs können Radfahrer die St.-Matthias-Kirche besuchen. In der Jorker Kirche steht eine der berühmten Arp-Schnitger-Orgeln. An der Kirche vorbei geht es am Kreisel nach links in den Westerjork. Das heißt erst mal viel Verkehr und wenig Aussicht.

Der Vorteil ist allerdings, dass die Gemeinde, wie Buxtehude, reichlich Möglichkeiten für eine Rast bietet. Cafés, Einkaufsmöglichkeiten und Restaurant sind alle unweit vom Kreisel mitten im Herzen von Jork zu erreichen. Wer Zeit hat, sollte Stopp am Museum Altes Land machen. Das Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet und zeigt geschichtsträchtige Schätze aus der Geschichte des Alten Landes. Außerdem reiht sich im Westerjork Obsthof an Obsthof, für Einheimische und Touristen eine Möglichkeit, in Form von Marmelade, Saft und Co sich ein Stück Altes Land mit nach Hause zu nehmen.

Es geht weiter in Richtung Mittelnkirchen. Zur Freude von absolut keinem Radfahrer steht kurz hinter dem Kreisel schon ein Schild, das auf Radwegschäden hinweist. In der Tat ist der Radweg recht holprig, wer dort langfährt, sollte ein gut gefedertes Rad haben. Auf die Straße auszuweichen bietet sich eher nicht an, da die Dorfstraße vielbefahren ist.

13.30 Uhr, der schönste Streckenabschnitt: Die Belohnung, den Stolperweg hinter sich gebracht zu haben, sind dafür drei Kilometer absolute Idylle. Erneut wird der Weg links und rechts von Obstbäumen flankiert. Im Frühjahr können Radfahrer durch ein wunderschönes Blütenmeer radeln, im Spätsommer und Herbst können sie die Apfelernte aus nächster Nähe beobachten.

Über den Baumkronen ist die Spitze der St. Martini et Nicolai Kirche Steinkirchens zu sehen. Etwa einen Kilometer weiter lohnt sich ein kleiner Umweg zur Hogendiekbrücke. Die 1975 errichtete Brücke über die Lühe ist nicht nur für Touristen ein beliebtes Fotomotiv.

Und auf der Gegenseite deutet der Anblick eines Leuchtturms schon an: Zum Lühe-Anleger ist es nicht mehr weit. Die südöstliche Obsttour endet kurz hinter den schönsten drei Kilometern der gesamten Strecke wieder mit der Ankunft an der Elbe. Sollten 41 Kilometer Radtour für Hunger gesorgt haben, gibt es an den Buden Bratwurst, Fischbrötchen und mehr, die den Hunger stillen können. Natürlich gibt es dort auch allerlei Getränke zu kaufen.

Besonders engagierte Radfahrer können nach rund 41 Kilometern noch auf die nördliche Obstschleife abbiegen. Wer noch Lust und Kraft hat, kann dort weitere 37 Kilometer hinter sich bringen – oder natürlich an geeigneter Stelle die Strecke verkürzen oder in den Radwanderbus steigen.

Über Hollern-Twielenfleth mit seinen Leuchttürmen verläuft die Tour am Schwingedeich entlang bis nach Stade. Die nördliche Schleife geht dann weiter über Agathenburg, Horneburg und entlang der Lühe nach Steinkirchen bis zurück an den Lühe-Anleger. Wie bei der südöstlichen Obstroute fahren die Radler durch Obstbaumplantagen, Natur und Kultur des Alten Landes. Schon schön, was das Alte Land auf zwei Rädern alles zu bieten hat.

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